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Bilingualer Unterricht

Bilingualer Unterricht - Eine Informationsseite für Schüler, Eltern und Kollegen

Bilingualer Unterricht ist zweisprachiger Unterricht. Das bedeutet, dass Inhalte eines Sachfaches (z.B. Informationstechnik) teilweise in einer Fremdsprache unterrichtet werden.

Im Gegensatz zum Fremdsprachenunterricht steht beim bilingualen Unterricht das Sachfach im Vordergrund. Die Schüler werden motiviert, während des Unterrichts Englisch zu sprechen, ein Zwang dazu besteht jedoch nicht.

Vorteile des bilingualen Unterrichts

Insbesondere in der Informatik spielt die Sprache Englisch eine sehr bedeutende Rolle. Alle heute verwendeten Programmiersprachen haben englischsprachige Befehle, da sie für den weltweiten Einsatz entwickelt wurden. Ferner existieren in der Fachterminologie eine Vielzahl von Begriffen, für die es einfach keinerlei deutsches Äquivalent gibt. Der Mehraufwand beim englischsprachigen Lernen der Sachinhalte ist daher meist so niedrig, dass die Schüler diese Investition überhaupt nicht wahrnehmen.

Zahlreiche Zusammenhänge lassen sich darüber hinaus leichter auf Englisch lernen, da Abkürzungen in der Informatik fast ausschliesslich aus der englischen Sprache stammen. Vermutlich wird es nur wenige Menschen geben, die ihren PC zu Hause als HR (Heimrechner) bezeichnen.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass zweisprachiges Lernen die Fähigkeit verbessert, vernetzt zu denken. Die fachlichen Zusammenhänge bleiben also nachhaltiger im Gehirn gespeichert.

Ein weiterer Vorteil kommt durch die Erfahrungen aus der täglichen Unterrichtspraxis zum Vorschein. Viele Schüler empfinden bilinguale Unterrichtseinheiten als angenehme Abwechslung, wodurch selbst ansonsten eher trockene Themen deutlich an Attraktivität gewinnen. Ehrliche Begeisterung ist, wie wir alle wissen, der Schlüssel zu einem nachhaltigen Lernerfolg.

Ängste und Vorbehalte

Manchmal bestehen Ängste oder Vorbehalte, die aber in den meisten Fällen völlig unbegründet sind. Deshalb möchte ich hier einige häufig von Schülern und Eltern gestellte Fragen nennen und beantworten.

1. Wirken sich schlechte Englischkenntnisse auf die Note im Sachfach aus?

Nein! Die Aufgabe eines bilingual unterrichtenden Lehrers besteht u.a. darin, sicherzustellen, dass trotz Verwendung der englischen Sprache die Sachverhalte verständlich erklärt werden. Dabei werden in Zusammenarbeit mit den Englischlehrern die Englischkenntnisse der Schüler berücksichtigt. Ganz allgemein kann gesagt werden, dass das Sachfach stets Vorrang hat. Es gibt mehrere Möglichkeiten, diesen Vorrang zu gewährleisten. Im Notfall wird bei Verständnisschwierigkeiten auf die Muttersprache (Deutsch) ausgewichen.

2. Werden sprachliche Fehler in Schülerantworten korrigiert, und wirken sich diese womöglich auf die Englischnote aus?

Englisch ist im bilingualen Unterricht lediglich das Kommunikationsmedium. Ziel im Unterricht ist es, dass sich sowohl Lehrer als auch Schüler untereinander auf Englisch verständigen. In der Regel wird vom Lehrer erst in dem Moment korrigierend eingegriffen, in dem ein sprachlicher Fehler zu einem echten Missverständnis führt. Da das Fach Englisch und das Sachfach völlig unterschiedliche Fächer sind, werden auch die Noten völlig unabhängig voneinander gebildet. Die Gefahr einer "Rückwirkung" der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit im bilingualen Unterricht auf die Note im Fach Englisch ist ausgeschlossen, weil diese Fächer an unserer Schule stets durch unterschiedliche Lehrkräfte unterrichtet werden.

3. Gewöhnen sich die Schüler dadurch schlechtes Englisch an?

Nein, denn es findet ja nach wie vor auch der "normale" Englischunterricht statt, in dem der Schwerpunkt ausschliesslich auf der Sprache, nicht auf dem Inhalt liegt. Der bilinguale Unterricht soll den Schülern die Chance geben, ungezwungen und ohne Angst einer etwaigen negativen Auswirkung auf die Note englischsprachige Konversation zu betreiben. Diese Kompetenz ist betrieblichen Alltag unabdingbar. Dort muss in internationalen Teams effizient kommuniziert werden, wobei für viele der Gesprächspartner Englisch ebenfalls nur Zweitsprache haben. Einen Grammatikfehler wird dort keiner thematisieren, solange er keine Auswirkung auf das grundsätzliche Verständnis hat.

4. Macht bilingualer Unterricht überhaupt Sinn, wenn der Stoff so schwer ist, dass manche ihn schon auf Deutsch nicht verstehen?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass gerade bei "schwierigen" Themen die hin- und wieder auftretenden Verständnisschwierigkeiten stets von fachlicher Natur waren. Das bedeutet, dass der entsprechende Schüler die selben Verständnishürden auch im deutschsprachigen Unterricht erfahren hätte. Auch extrem komplexe Vorgänge lassen sich sprachlich mit einfachen Worten beschreiben, worin allerdings auch eine spürbare Herausforderung für die bilingual unterrichtende Lehrkraft liegt. Durch die äusserst sorgfältige sprachliche Aufarbeitung einer bilingualen Unterrichtsstunde werden übrigens oft Hürden entdeckt, über die sich der Lehrer im muttersprachlichen Unterricht nicht bewusst war, die aber eindeutig zu Verständnisschwierigkeiten in der Muttersprache geführt haben bzw. führen würden.

5. Eignen sich jedes Thema und jedes Fach für den bilingualen Unterricht?

Diese Frage darf man prinzipiell mit "ja" beantworten. Trotzdem gibt es bestimmte Umstände, unter denen sich der Lehrer eher für rein muttersprachlichen Unterricht entscheiden wird. Bei sprachlich komplexen Themenfeldern in Verbindung mit einer eher leistungsschwachen Klasse muss zunächst ein gewisser Fachwortschatz aufgebaut werden. Dazu wird u.U. etwas mehr Zeit benötigt als in einem Unterricht mit dem gleichen Inhalt in Muttersprache. Da die Inhalte und damit die Fortschrittsgeschwindigkeit im Unterricht weitgehend durch Lehr- und Bildungspläne vorgegeben sind, steht diese Zeit manchmal nicht zur Verfügung. Wie oben bereits beschrieben, steht die Vermittlung der fachlichen Inhalte im Vordergrund.

6. Gibt es bestimmte sprachliche Mindestanforderungen für die Teilnahme am bilingualen Unterricht?

Das sprachliche Niveau des Unterrichts orientiert sich an den Sprachkenntnissen der Schüler. Für alle unserer gewerblichen Schularten gelten gewisse Eingangsvoraussetzungen (z.B. Realschulabschluss), welche zunächst zur Festlegung des Startniveau herangezogen werden. Abhängig von der tatsächlichen Leistung der Klasse wird dann das Niveau angepasst. Selbst unterhalb des Hauptschulniveau wäre bilingualer Unterricht prinzipiell machbar, würde aber bei fachsprachlich komplexen Themen unzulässig viel Zeit beanspruchen.

7. Welche Lehrer führen bilingualen Unterricht durch?

Der Unterricht wird durch Lehrer mit der Zusatzqualifikation "Bilingualer Unterricht" erteilt. Diese können, müssen aber nicht gleichzeitig eine Lehrbefähigung für das Fach Englisch besitzen. Nähere Informationen finden Sie auf der Internetseite der staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung.

Haben Sie Fragen oder Anregungen?

Für Anregungen und Fragen bezüglich des bilingualen Unterrichts an der Elektronikschule stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Andre M. Maier
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